Armeniens abgelegenste Orte

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Wo die Massen nicht hingehen: Armeniens abgelegenste Orte

Die Reiserouten in Armenien können eine Nervenprobe sein: Reisegruppen eilen aneinander vorbei, überall herrscht Hektik, manche eilen herbei, um Fotos zu machen, andere kaufen eifrig Souvenirs. Doch Armenien birgt auch Orte der Stille, an denen nur wenige Besucher anzutreffen sind. Hier sind drei abgelegene Winkel, die Sie mit ihrer Einsamkeit entweder fesseln oder beunruhigen können.


See Arpi

Im Nordwesten der Provinz Schirak liegt See Arpi, das zweitgrößte Süßwasserreservoir Armeniens und ein Ort, der nur selten von Reisenden besucht wird.
Der Arpi-See (Arpilich) liegt auf einer Höhe von 2,022 Metern und ist aufgrund dieser Höhenlage ganzjährig kalt. Seine Entstehung ist tektonischen Ursprungs. Vor Millionen von Jahren ereignete sich nördlich des heutigen Schirak ein gewaltiger unterirdischer Vulkanausbruch, der ein natürliches Becken formte, das sich später mit Schmelzwasser füllte. Das Klima ist kontinental; die niedrigste jemals in Armenien gemessene Temperatur – minus 46 Grad – wurde genau in dieser Region registriert. Und dennoch leben hier rund hundert Vogelarten, darunter die seltene Armenische Möwe, die in anderen Teilen des Landes nicht vorkommt.

Mitte des letzten Jahrhunderts wurde der See für landwirtschaftliche Zwecke künstlich vergrößert und zu einem Stausee umfunktioniert, wodurch er einen Teil seiner ursprünglichen Wildheit einbüßte. Da Arpilich in einem Grenzgebiet liegt und die Zufahrtsstraßen in sehr schlechtem Zustand sind, besuchen Einheimische den Ort in der Regel nur zum Angeln. Ansonsten bleibt diese abgelegene Grenzlandschaft das ganze Jahr über nahezu menschenleer.

Der Charentsbogen

Unweit von Jerewan, auf dem Weg nach Garni In der Nähe des Dorfes Vokhchaberd befindet sich ein Aussichtspunkt, von dem aus man ein herrliches Panorama genießen kann.
Es handelt sich um ein kleines quaderförmiges Bauwerk aus Tuff und Basalt mit zwei imposanten, bogenförmigen Öffnungen. Der Bogen Das Denkmal wurde 1957 zu Ehren des 60. Geburtstags des armenischen Dichters, Prosaautors und Übersetzers Yeghishe Charents errichtet. Sein Architekt, Rafael Israelyan – der Schöpfer des Denkmals „Mutter Armenien“ – entwarf es in bestechender Schlichtheit. Zwei Legenden ranken sich um seine Entstehung. Der romantischen Version zufolge liebte Charents, der einen Großteil seines Werkes dem Lobpreis des Berges Ararat (Ağrı Dağı) widmete, diesen Ort und verbrachte Stunden auf dem Hügel, um die Schönheit des Berges zu bewundern. Der zweiten Version zufolge entdeckte Israelyan den Ort bei einer Autofahrt; sein geschultes Auge erfasste die bezaubernde Perspektive, und er beschloss, dort ein Bauwerk am Straßenrand zu errichten.

Aus architektonischer Sicht ist der Bogen selbst eher unscheinbar. Die umliegende Landschaft ist karg, fast rau. Seine wahre Einzigartigkeit liegt im ungestörten Blick auf den Berg, fernab von Häuserblocks. Anders als der berühmte Aussichtspunkt Khor Virap, der ebenfalls einen der schönsten Ausblicke auf den Ararat bietet, ist der Charents-Bogen praktisch menschenleer – besonders bei schlechtem Wetter, wenn der Berg in Nebel oder Wolken gehüllt ist. Ein Besuch unter der Woche empfiehlt sich, da an Wochenenden gelegentlich Reisebusse für längere Fotosessions anhalten.

Altes Chndzoresk

Im Osten der Provinz Sjunik, acht Kilometer von GorisDort liegt ein Dorf, das vor vielen Jahren von seinen Bewohnern verlassen wurde.
Der Name bedeutet wörtlich übersetzt „Apfeldorf“. Die Hauptattraktion ist die Höhlenstadt, neben der die Siedlung im 13. Jahrhundert gegründet wurde. Der gängigsten Version zufolge befanden sich damals die Hänge der Schlucht – zu beiden Seiten davon –, die von einem Felsvorsprung umgeben waren. Altes Chndzoresk Die Schlucht erstreckte sich und war mit wilden Apfelbäumen bewachsen. Der spätere Name Chor Dsor („Tiefe Schlucht“) verdeutlichte, wie beschwerlich der Zugang zum Dorf war, da man nur tief in die Schlucht hinabsteigen konnte. Das alte Khndzoresk bestand bis Mitte des letzten Jahrhunderts, und erst Anfang der 1970er Jahre zogen die letzten Bewohner in ein neues Dorf oberhalb der Schlucht.

Eine exponierte und etwas gefährliche Hängebrücke führt zu dem verlassenen Dorf und der Höhlenstadt. Da der Ort schwer zugänglich ist und sich über mehr als drei Quadratkilometer erstreckt – größtenteils dicht bewaldet –, zieht es nur wenige Reisende dorthin, zumal er in einem Grenzgebiet liegt, in dem Grenzziehungen stattfinden. Es gibt weder Hinweisschilder noch Wegweiser, daher müssen Besucher im Voraus an Karten, Wasser und Mobilfunkempfang denken. Gerade diese Abgeschiedenheit verleiht Alt-Chndzoresk jedoch seine geheimnisvolle Anziehungskraft: eine stille Welt, in der die Natur sich langsam den Stein zurückerobert und die Geschichte aus den Klippen flüstert.