
In der Antike und im Mittelalter waren lange Reihen von Kamelen, die mit verschiedenen Gütern beladen waren, das wichtigste internationale Kommunikationsmittel. Diese Karawanen standen oft unter der Schirmherrschaft von Herrschern, da sie die Märkte ihrer Länder füllten und die Wirtschaft unterstützten. Um Reisenden die Reise zu erleichtern, finanzierten eben diese Herrscher den Bau von Karawansereien. Der architektonische Ausdruck dieser Bauwerke erreichte jedoch selten monumentale Bedeutung oder künstlerischen Wert. Es handelte sich in erster Linie um zweckmäßige und in Massenproduktion gefertigte Gebäude mit einheitlicher Struktur, die oft mit modernen Motels verglichen wurden. Dennoch können uns diejenigen, die bis heute überlebt haben, selbst in Ruinen, viel über die Ära erzählen, als die berüchtigte Seidenstraße florierte.
Heute ist es eine große Herausforderung, die beeindruckenden Überreste dieser vergangenen Ära in Turkmenistan und den Nachbarländern zu besichtigen. Viele dieser Stätten liegen weit entfernt von modernen Städten und Dörfern, abseits der Hauptstraßen und jeglicher nennenswerter Sehenswürdigkeiten, die in den weiten Steppen und Sanddünen der Karakum-Wüste rar sind. Aufgrund ihrer Unzugänglichkeit sind Karawansereien nicht in beliebte Touristenrouten eingebunden, und nur hochmotivierte Liebhaber der Antike wagen sich auf solche Entfernungen in der Hoffnung, sie mit Hilfe lokaler Führer oder Satellitennavigationssysteme zu finden.
Zwar existierten in belebten historischen Städten wie Kunya-Urgench, Amul, Merv, Serakhs und Nisa noch viele alte Karawansereien, doch ihre Spuren sind unter dem Druck moderner Bauten verschwunden. Ebenso wurden die meisten Gasthäuser, die in der Wüste entlang der Karawanenrouten gebaut wurden, nach und nach aufgegeben und verfielen nach dem Niedergang des transkontinentalen Landhandels im 15. Jahrhundert. Nur wenige wurden zu Denkmälern erklärt und vom Staat registriert; die Mehrheit wurde einfach vom Sand verschlungen, manchmal zusammen mit ganzen Siedlungen. Das gleiche Schicksal ereilte die Nachbarländer, insbesondere dort, wo der Karawanenverkehr bis ins 17. bis 19. Jahrhundert relativ intensiv war, im Iran, in Afghanistan, Pakistan und Indien.

Arabische Geographen des 9. und 10. Jahrhunderts, wie Ibn Khordabeh, al-Yakubi, Qudama ibn Ja'far, al-Istakhri und Ibn Hawqal, hinterließen Beschreibungen der wichtigsten Karawanenrouten durch Zentralasien. In diesen und späteren mittelalterlichen Dokumenten wurden jedoch nur die wichtigsten Routen erwähnt, während Nebenrouten von ihren Autoren übersehen wurden.
Obwohl das Klingeln der Glocken auf Kamelhälsen seit fünf Jahrhunderten nicht mehr durch das stille Karakum hallt, sind die Spuren der Karawanen immer noch überraschend deutlich zu erkennen. Sie haben deutliche Spuren im Gelände hinterlassen, die über viele Jahrhunderte ausgetreten und tief in die Landschaft eingegraben wurden. Obwohl einige alte Kamelpfade vollständig von Sand bedeckt sind, können sie aufgrund ihrer Klarheit und des breiten Querschnitts des Straßenbetts mit schmaler „Unterseite“ und sanften Neigungen auf öffentlich verfügbaren Satellitenbildern von Kartendiensten wie Google Earth und Bing Maps nachverfolgt werden. Sie sind auch am Boden deutlich sichtbar und mit Geländefahrzeugen befahrbar.
Entlang dieser Routen entstanden im 9. bis 12. Jahrhundert Ketten von Karawansereien, von denen viele ziemlich lange Zeit in Betrieb waren, wahrscheinlich bis zu den letzten Karawanen. Laut al-Yakubi ähnelten sie Festungen in der Wüste, wo die Menschen Zuflucht vor den häufigen türkischen Überfällen suchten.
Große und kleine Karawansereien wurden im Abstand von einer Tagesreise, etwa alle 30 bis 40 Kilometer, errichtet. Eine Karawane brach im Morgengrauen von einer Station auf und erreichte am Abend die nächste. Ihr Aussehen ähnelte tatsächlich Festungen: hohe kahle Mauern, Eck- und Tortürme – alles nach Befestigungsprinzipien konstruiert. Obwohl es schon vor der islamischen Ära Gasthöfe am Straßenrand gab, begann ihr Massenbau erst nach der arabischen Eroberung Irans und Zentralasiens.
Ursprünglich waren diese Bauten nicht für Händler und Reisende gedacht; es waren rein militärische Befestigungen, die auf Arabisch „Ribats“ oder „Rabats“ genannt wurden. Sie beherbergten freiwillige Krieger, die Ghazis genannt wurden, was „Verteidiger des Glaubens“ bedeutet. Im Laufe der Zeit, als sich der Islam an den östlichen Rändern des arabischen Kalifats fest etablierte, wurden Ribats ziviler: Sie wurden von jedem genutzt, der in Handelskarawanen durch die Wüste reiste, allerdings mit militärischer Eskorte zum Schutz vor Steppenbanditen.
Vor über einem Jahrhundert bemerkte der Schweizer Arabist Adam Metz mit Bezug auf al-Istakhri, dass „die Instandhaltung der Herbergen entlang der Wüstenstraßen durch fromme Spenden finanziert wurde. Die meisten davon befanden sich im religiösen Turkestan, wo es über Zehntausend solcher Herbergen für Reisende gab.“ Bei diesen Reisenden handelte es sich hauptsächlich um Pilger nach Mekka und zu anderen heiligen Stätten auf der arabischen Halbinsel – Muslime, die aus allen Teilen der islamischen Welt zum Hadsch und zur Ziyarat anreisten, die als höchster Zweck der Reise gelten. Der Koran schreibt die Pilgerfahrt für alle vor, die dazu in der Lage sind. Religiöse und kommerzielle Aktivitäten schließen sich allerdings nicht gegenseitig aus. Seit der frühen islamischen Periode führten Muslime während des Hadsch daher Güter mit, um ihre Reisekosten zu decken. Darüber hinaus reisten viele Menschen zu Bildungszwecken in größere Städte, in denen sich Madrasas und Bibliotheken – vergleichbar mit modernen Universitäten – befanden.
Folglich war ein erheblicher Teil der Muslime ständig unterwegs, um Handel zu treiben, religiöse Zwecke zu erfüllen oder Bildung zu betreiben. Zu diesem Zweck wurden Gasthäuser gebaut. Deshalb wiesen die bedeutendsten Bauten dieser Art nicht nur luxuriöses ornamentales Dekor auf, sondern auch monumentale Inschriften religiöser Natur. Ein Beispiel hierfür ist die Hauptfassade der Karawanserei Dajachatyn am östlichen Rand der Karakums, nahe den Ufern des Amudarja, die während der Zeit der großen Seldschuken im Zentrum des Tahirid-Rabats erbaut oder wahrscheinlich rekonstruiert wurde, dessen Ursprung viel früher, nämlich im frühen 9. Jahrhundert, liegt.

Die Kunst, den richtigen Standort für den Bau unter Berücksichtigung des Geländes und der umgebenden Landschaft sowie der genauen Proportionen der Volumina und Details des Gebäudes auszuwählen, verwandelt ein Gebrauchsobjekt in ein architektonisches Werk. Diese Qualität ist allen architektonischen Meisterwerken von der Antike bis zur Gegenwart inhärent. Dayakhatyn kann getrost zu ihnen gezählt werden, da diese Bedingungen in seinem Entwurf vollständig erfüllt sind. Die erhaltenen Teile der Fassaden, die virtuos aus Ziegeln gebaut wurden, und die Gewölbe zeugen von der höchsten Handwerkskunst der Seldschukenzeit. Diese Handwerker konnten komplizierte geometrische Ornamente und lapidare Inschriften aus einfachen Ziegeln herstellen und so makellose Kompositionen auf den Fassaden erzeugen. Dayakhatyn zeigt eine Vielzahl von figurativem und Reliefmauerwerk und schafft so eine plastisch ausdrucksstarke Oberfläche.
Ursprünglich war Dajachatyn sicherlich kein gewöhnliches Gasthaus für vorbeiziehende Karawanen. Sowohl sein bemerkenswertes Äußeres als auch die für die damalige Zeit luxuriösen Innenräume sowie die einzigartige Innenaufteilung deuten darauf hin, dass es als Steppenresidenz für Sultane der Seldschuken-Dynastie diente. Königliche Persönlichkeiten machten hier zusammen mit ihren Höflingen Halt, um sich während der Jagd oder bei Feldzügen auszuruhen und die Ostgrenze ihres riesigen Reiches zu schützen.
Im 15. oder 16. Jahrhundert wurde Dajachatyn, das inzwischen teilweise zerstört war, geringfügig umgebaut. Der Eingang wurde vollständig neu aufgebaut und verfügt nun über ein hohes gewölbtes Portal, das sich von dem filigranen Mauerwerk der Seldschuken abhebt. Der Neubau war weniger sorgfältig, aus größeren Ziegeln gebaut und völlig ohne Verzierungen. Dies deutet darauf hin, dass mit dem Zusammenbruch des zentralisierten timuridischen Staates, der zu anhaltender Anarchie und dem Ausbleiben von Karawanen aus fernen Ländern führte, die lokale Wirtschaft zurückging und die Baukultur verfiel.
Dajachatyn blieb das Schicksal vieler anderer Denkmäler seiner Zeit erspart, die Stein für Stein abgerissen wurden, da es zu weit von besiedelten Gebieten entfernt liegt. Dennoch hat es den Zahn der Zeit an sich gezogen. Sein Zustand ermöglichte es Architekten und Restauratoren, mithilfe von 3D-Grafiken eine Rekonstruktionshypothese seines früheren Erscheinungsbilds zu erstellen und mit der praktischen Restaurierung der verlorenen Teile des Gebäudes sowie architektonischer Dekorelemente zu beginnen.
Während Dajachatyn, das sich jetzt Restauratoren widmen, keiner Gefahr ausgesetzt ist, erodieren Dutzende anderer Wüstendenkmäler in den Karakums buchstäblich unter der Einwirkung von Wind und Regen. Die vielleicht eindrucksvollsten von ihnen liegen entlang der Karawanenroute zwischen den modernen Städten Bayramali und Turkmenabad. Hier stehen noch die Mauern und Türme von Akcha-kala, der größten Karawanserei in ganz Zentralasien. Ihre majestätische Silhouette erscheint plötzlich, wenn das Fahrzeug hinter einem hohen Hügel hervorkommt, und gibt den Blick auf ein weites Panorama der Ebene frei, mit einem einsamen Bauwerk, das einer Fata Morgana gleicht. Genau wie in der Vergangenheit beschleunigten müde Reisende wahrscheinlich ihr Tempo und trieben ihre Kamele an, um den einladenden Unterschlupf zu erreichen, der sie erwartete.
Die Ursprünge bestimmter Namen in der lokalen Ortsnamenkunde sind unbekannt. Akcha-kala bedeutet aus dem Turkmenischen übersetzt „Weiße Festung“. Es ist jedoch anzumerken, dass es nicht „Weiß“ (Ak), sondern „Weißlich“ (Akcha) ist. Dies ist wahrscheinlich eine Metapher; es ist nichts Weißes daran; das Gebäude ist vollständig aus Lehmziegeln gebaut und hat dieselbe gelbgraue Farbe wie die umgebende Erde. Diese Station wird in den Reiseberichten des 9. und 10. Jahrhunderts nicht erwähnt, da sie während der Seldschukenzeit in der zweiten Hälfte des 11. Jahrhunderts errichtet wurde. Im Gegensatz zu den meisten zentralasiatischen Karawansereien mit einem einzigen Innenhof, wie man ihn in Dayakhatyn sieht, verfügt Akcha-kala über zwei Höfe, die hintereinander entlang einer gemeinsamen Längsachse angeordnet sind. Der erste Hof diente als Servicebereich und beherbergte Lagerhäuser und Tierställe, während der zweite als Wohnbereich diente. Diese Aufteilung in Nutz- und Reinräume ist recht rational und darauf ausgelegt, den Komfort für die Gäste zu maximieren.
In der Mitte der Hauptfassade von Akcha-kala steht ein mächtiges, leicht vorspringendes Portal mit einem spitzbogigen Eingang und glatten, massiven Stützen. Die leeren Wände links und rechts sind mit großen halbrunden Kanneluren verziert. Die Kannelierung der Wände ist eine sehr archaische Technik, die in der östlichen Architektur schon lange vor der Antike bekannt war. Ursprünglich war sie wahrscheinlich mit der Befestigung und der strukturellen Stabilität der Außenmauern verbunden, aber im Mittelalter wurde sie rein dekorativ verwendet, mit bemerkenswerten Ausnahmen, die nur in zwei historischen Regionen vorkommen: der Oase Merv und Khorezm.
Eine etwas kleinere Kopie von Akcha-kala liegt 23 Kilometer entfernt und ist ebenfalls eine zweiteilige Karawanserei aus dem 11. bis 12. Jahrhundert, die heute Kunya-kala (wörtlich „Alte Festung“) genannt wird. Sie ist wesentlich stärker verwittert, da sie aus Lehm minderer Qualität gebaut ist. Ob ihre Fassaden Kanneluren hatten, ist nicht bekannt; die abgenutzten Mauerreste verraten nichts mehr über ihre frühere Ausstattung. Fünf Kilometer von Akcha-kala entfernt steht jedoch noch ein weiteres kanneliertes Bauwerk, wenn auch anderer Art. Diese aus arabischen Reiseberichten bekannte Stätte, at-Tahmalaj, erhebt sich inmitten eines riesigen Takyr. Ein kompaktes zweistöckiges Gebäude auf einer hohen Plattform mit schrägen Kanten grenzt fast an einen großen Innenhof. Alle vier Fassaden weisen geschlossene Halbzylinder auf. Die untere Ebene muss noch ausgegraben werden, während die obere ungewöhnlich erscheint: identische quadratische Kammern mit flachen Kuppeln darüber, die im Grundriss ein Raster mit neun Zellen bilden. Es ähnelt keiner Behausung; Es erinnert eher an eine Lagerhalle, doch von außen wirkt das kleine Schloss recht monumental.
Die Entdeckerin dieses und vieler anderer Karakum-Denkmäler, die Akademikerin Galina Pugachenko, war vernünftigerweise davon überzeugt, dass es sich bei Tahmalaj um die früheste Form einer Karawanserei handelt: Bevor große Stationen nach dem Schema „von Räumen umgebener Innenhof“ gebaut wurden, machten Reisende in solchen engen Burgen Halt.
In den letzten Jahren hat das öffentliche Interesse an solchen Überresten einer längst vergessenen Vergangenheit spürbar zugenommen. Einerseits ist dies mit einem bedeutenden Forschungsprojekt verbunden, an dem turkmenische Spezialisten gemeinsam mit britischen Kollegen ein zwischenstaatliches Dossier zur Aufnahme bestimmter Abschnitte der Seidenstraße in die UNESCO-Welterbeliste vorbereiten. Andererseits führt Turkmenistan ein vierjähriges staatliches Programm für archäologische Ausgrabungen an wichtigen Stätten entlang der Karawanenrouten durch. All dies gibt Anlass zur Hoffnung, dass unser Erbe erhalten bleibt und vielleicht durch neue Entdeckungen erstrahlt.
basiert auf Artikel von RG Muradov 'REGIONALE BESONDERHEITEN DER KARAWANSEREI IM Karakum-Wüste‘
