
Die Tiflis-Moschee, besser bekannt als Dschumah-Moschee, steht im Schatten der alten Festung Narikala und zeugt von Jahrhunderten komplexer Geschichte. Ursprünglich im frühen 18. Jahrhundert von den Osmanen errichtet, wurde die Moschee bald von den Persern zerstört und Mitte des 19. Jahrhunderts wieder aufgebaut. Dieses beständige Bauwerk ist mehr als nur ein Ort der Anbetung – es ist ein Symbol für Widerstandsfähigkeit und Zusammenleben.
Muslime sind seit dem 8. Jahrhundert, nach den arabischen Invasionen, Teil des multikulturellen Gefüges Tiflis. Historischen Aufzeichnungen zufolge entstand die erste Moschee in der georgischen Hauptstadt im 16. Jahrhundert. Heute gibt es in ganz Georgien über 200 Moscheen, die einer muslimischen Bevölkerung von etwa einer halben Million Menschen dienen, von denen allein in Tiflis etwa 30,000 leben.
Die muslimische Gemeinschaft Georgiens ist bemerkenswert vielfältig und umfasst ethnische Gruppen wie Dagestaner, Aserbaidschaner, Lesginen, Tataren und Tschetschenen. Die Anhänger des Islam im Land teilen sich in Sunniten und Schiiten auf, wobei die Schiiten in Tiflis historisch die Mehrheit bilden.
Die heute noch funktionierende Moschee in Tiflis wurde auf Initiative der Kasaner Tataren erbaut und diente ursprünglich sunnitischen Muslimen. Bis Mitte des 20. Jahrhunderts beteten Schiiten in der Schah-Ismail-Moschee. Nach deren Zerstörung begannen sie jedoch, ihre Gebete gemeinsam mit Sunniten in der Jumah-Moschee zu verrichten. So wichen jahrhundertelange Glaubensunterschiede allmählich einer gemeinsamen Praxis in einem einzigen heiligen Raum. Bis 1996 trennte ein Vorhang die schiitischen und sunnitischen Gemeindemitglieder während des Gebets, doch heute beten alle gemeinsam in einem Akt der Andacht.
Jeden Freitag um 1:00 Uhr versammelt sich die Gemeinde zum traditionellen Jumah-Gebet. Die Moschee ist auch ein zentraler Versammlungsort an wichtigen islamischen Feiertagen wie dem Opferfest (Kurban Bayram) und dem Fastenbrechen (Fitr Bayram), wenn auf dem Gelände Opferrituale wie die Opferung eines Widders durchgeführt werden.
Toleranz ist tief in der Kultur Georgiens verwurzelt und besonders in Tiflis spürbar, einer Stadt, in der verschiedene Glaubensrichtungen harmonisch zusammenleben. Ein bemerkenswertes Beispiel für diesen Geist der Inklusion geht auf die Herrschaft von König David dem Erbauer zurück, der sowohl die orthodoxe Kirche als auch die Moschee besucht haben soll. In Vierteln mit hohem muslimischen Bevölkerungsanteil verbot er aus Respekt vor islamischen Bräuchen sogar das Schlachten von Schweinen.
Heute ist die Altstadt von Tiflis ein lebendiges Zeugnis dieser anhaltenden Tradition friedlichen Zusammenlebens. Nur wenige Gehminuten voneinander entfernt finden sich eine orthodoxe Kirche, eine jüdische Synagoge, eine katholische Kathedrale, eine armenisch-gregorianische Kirche und die Jumah-Moschee – alle nebeneinander und als kraftvolle Symbole religiöser Toleranz und multikultureller Einheit.
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