
Reisende, die die abgelegene Autonome Region Berg-Badachschan in Tadschikistan besuchen, sind oft von der atemberaubenden Berglandschaft verzaubert, vermissen jedoch das lokale Leben. Die moderne Zivilisation erreicht zunehmend auch die entlegensten Winkel der Welt und bietet damit Komfort, droht aber auch, jahrhundertealte Traditionen zu zerstören. Wer gerne in die Kultur eintaucht, dem bietet ein Besuch eines bescheidenen, aber faszinierenden Museums in der Nähe der alten Festung Kaach-Kha einen seltenen Einblick in das pamirische Kulturerbe.
Das Museum ist in einem einstöckigen, mit farbenfrohen Mustern geschmückten Gebäude untergebracht. Der freundliche Kurator bietet kostenlose Führungen an, die die Besucher mühelos durch Zeit und Tradition führen. Zu den faszinierenden Ausstellungsstücken gehören eine Büste Lenins, antike Rinderhörner und eine beeindruckende Sammlung regionaler Mineralien.
Das Museum verfügt außerdem über detaillierte Karten der vielen alten Festungen, die über das gesamte Wakhan-Tal verstreut sind – Festungen, die so unbekannt sind, dass sie auf herkömmlichen Karten selten erscheinen.

Der Reiseführer erzählt anschauliche Geschichten aus der turbulenten Geschichte des Tals: afghanische Angriffe, Tadschikistans Wunsch, unter russischen Schutz zu kommen, und die langsame Ankunft der Zivilisation hier, während das benachbarte Afghanistan noch immer mit einem Mangel an Schulen und medizinischer Versorgung zu kämpfen hat.
Besucher können sogar traditionelle handgefertigte Armbänder mit Halbedelsteinen anprobieren. Im Gegensatz zur europäischen Sitte, Ringe an den Fingern zu tragen, trugen Pamiri-Frauen traditionell dreieckige Metallanhänger mit komplizierten Mustern an ihren Gürteln als Symbol ihres Familienstands.
Das Herzstück des Museumserlebnisses ist das traditionelle Pamiri-Haus, auch „Chid“ genannt, ein heiliges Symbol der Reinheit und religiösen Bedeutung für die ismailitischen Muslime. Beim Betreten können Besucher dicke, winddichte Gewänder der Einheimischen anziehen, um die Atmosphäre hautnah zu erleben.
Das Innere des Hauses wird von fünf Holzsäulen getragen, die jeweils verehrte Figuren der schiitischen Heiligenfamilie darstellen: Mohammed (die äußerste Säule symbolisiert den Lehrer des Gebets), seinen Cousin Ali (Symbol für Treue und Bund), Mohammeds Tochter Bibi Fatima Zuhra (Beschützerin des Wassers und der Frauen) und ihre beiden Söhne, Imam Hasan (Erde) und Imam Husayn (Feuer). Der Tod von Hasan und Husayn löste die entscheidende Spaltung des Islam zwischen Sunniten und Schiiten aus.

Über dem Eingang hängt der „Buchkovach“, ein Deckenbalken, der den Himmel symbolisiert und kunstvoll mit Sonnenmotiven wie Kreuzen, Rädern und Hakenkreuzen verziert ist. Dieser Balken markiert die heilige Grenze zwischen Himmel und Erde. An ihm sind Bergziegenhörner befestigt, die das Haus vor bösen Geistern schützen sollen. In der Nähe befindet sich der „Ziegenplatz“ – ein Ort für Opfergaben.

Der Boden des Pamiri-Hauses besteht aus einer dreistufigen Plattform, wobei jede Ebene einen Existenzbereich symbolisiert: Die unterste Ebene repräsentiert die unbelebte Welt, die mittlere die Pflanzenwelt oder die vegetative Seele und die oberste die Tierwelt oder die fühlende Seele. Die unterste Ebene liegt deutlich niedriger als die anderen, was ihre symbolische „Leblosigkeit“ unterstreicht.
Den Innenraum krönt die „Chorhona“, eine stufenförmige, vierstufige Kuppel, die über den Mittelbalken des Raumes schwebt. Jede Stufe entspricht einem Element: Erde, Wasser, Wind und Feuer. Die oberste Stufe, die Feuer und Sonne symbolisiert, ist offen, um natürliches und göttliches Licht durch eine runde Öffnung namens „Ruz“ mit einem Durchmesser von etwa 0.75 Metern hereinzulassen. Diese heilige Öffnung wird nachts geschlossen, um Wärme zu speichern, und dient als spirituelle Verbindung zwischen dem Haus und dem Himmel.
Das Pamiri-Haus ist weit mehr als nur ein Schutz vor rauem Wetter. Es fungiert als Tempel, in dem Gebete gesprochen und Opfer dargebracht werden, wodurch eine tiefe Verbindung zwischen den Menschen und dem Göttlichen gefördert wird.
Wenn Sie auf der „unteren“ Straße durch den Bezirk Ishkashim in Berg-Badachschan unterwegs sind, sollten Sie dieses aufschlussreiche Museum nicht verpassen. Es bietet einen einzigartigen Einblick in die widerstandsfähige Kultur und das spirituelle Leben der Pamiri – ein Erlebnis, das jede Reise durch diese außergewöhnliche Region bereichert.

Quelle: https://yarodom.livejournal.com
