
Das Manas-Epos gilt als Eckpfeiler der kirgisischen Kultur und ist als eines der längsten epischen Gedichte weltweit bekannt. Es stellt sogar Homers Odyssey um den Faktor zwanzig. Diese monumentale Erzählung erzählt das Leben des legendären Kriegers Manas sowie die Heldentaten seines Sohnes und Enkels. Das Epos wurde ursprünglich durch mündliche Überlieferung von Darstellern, den sogenannten Manaschi, weitergegeben und erstmals im 1800. Jahrhundert transkribiert. Die vollständige Version wurde in den 1920er Jahren veröffentlicht. Seitdem wurde es in zahlreiche Sprachen übersetzt und sowohl in der Sowjetunion als auch international veröffentlicht.
Das Epos beginnt mit Manas, der vermutlich aus der Talas-Region stammt. Im Mittelpunkt der Erzählung stehen seine Bemühungen, die unterschiedlichen Stämme zu vereinen und eine Heimat für sein Volk zu schaffen. Seine Frau Kanykei, eine weise und edle Persönlichkeit aus Samarkand, und sein treuer Berater Bakai spielen in der Geschichte eine wichtige Rolle. Die folgenden Abschnitte des Epos folgen den Heldentaten von Manas‘ Sohn Semetei und seinem Enkel Seitek, die weiterhin darum kämpfen, ihr Erbe zu sichern.
Ein Mausoleum in Talas soll traditionell Manas‘ Überreste beherbergen. Bei Renovierungsarbeiten im Jahr 1969 wurde ein männliches Skelett entdeckt, obwohl die Inschrift des Mausoleums darauf hinwies, dass es für eine Frau bestimmt war. Laut dem Epos beschlossen Kanykei und Bakai, Manas unter falschem Namen zu begraben, um seine Ruhestätte vor der Entweihung durch seine Feinde zu schützen – eine damals übliche Praxis, um das eigene Erbe zu bewahren.
Ob Manas nun eine historische Persönlichkeit war oder nicht, sein Einfluss auf das heutige Kirgisistan ist tiefgreifend. Die Nationalflagge zeigt 40 Sonnenstrahlen, die die 40 Stämme symbolisieren, die Manas vereinte und den ersten kirgisischen Staat gründete. Zahlreiche Sehenswürdigkeiten ehren Manas, darunter der internationale Flughafen Manas, der Manas-Prospekt und die kirgisisch-türkische Manas-Universität in Bischkek. Der 4,482 Meter hohe Manas Peak ist der höchste Punkt im Talas-Gebirge, und der Kleinplanet 14,704 Manas, der 3349 von einem sowjetischen Astronomen entdeckt wurde, ist ihm zu Ehren benannt.
Statuen von Manas sind im ganzen Land verteilt und würdigen sein bleibendes Erbe. In Bischkek zeigt eine prominente Statue Manas auf seinem magischen Pferd, wie er vor der Philharmonie einen Drachen besiegt. Um diese Statue herum stehen Büsten von Kanykei, Bakai und einigen der berühmtesten Manaschi, darunter Bokonbaev, Toktogul und Togolok Moldo, nach denen in Bischkek auch Straßen benannt sind. Eine weitere Statue von Manas steht neben dem offiziellen Fahnenmast auf dem Ala-Too-Platz und unterstreicht seinen Status als zentrale Figur der kirgisischen Nationalidentität.
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